Faszination Greifvögel

Lange habe ich davon geträumt - einmal einen Bussard oder Falken selbst auf dem Arm tragen. Endlich habe ich mir diesen Traum erfüllt und es war wahnsinnig toll!

 

Flugshows mit Greifvögeln hatte ich schon zuvor zweimal während meiner Schottlandreisen besucht und es hat mich regelrecht angefixt. Diese Tiere faszinieren mich einfach. Majestätisch, schnell und frei segeln sie mit dem Wind (und geradewegs durch deine Haare, falls du nicht rechtzeitig in Deckung gehst!). Wobei es wenig nutzt, sich zu ducken, damit dich kein Flügel streift. Denn das nehmen Adler und Co. lediglich zum Anlass, noch tiefer zu fliegen.

 

In der Falknerei Bergisch Land bei Remscheid habe ich zwei wundervolle Tage genossen, einmal bei einer Flugshow, bei der Gandalf, Barti, Dussi/Dosi?), Mäxchen und Söckchen (die Namensgebung dort finde ich teils wirklich fragwürdig - aber warte ab! Es wird noch besser ...) wegen der sommerlichen Hitze nur wenig Lust zum Vorführen zeigten. Mit Futter (Hühnerbeinchen uggh) ließen sie sich natürlich überzeugen. Fressen geht doch schließlich immer ;-)

     

 

Lustig fand ich auch das ›kleine Kerlchen‹, das viel lieber laufen wollte anstatt zu fliegen und eine große Begabung beim Hütchenspiel offenbarte, oder den Bussard - ich glaube, es hätte einer sein sollen, immerhin hat er sich ja nicht gezeigt -, der uns schlicht ignorierte und es sich im Baum gemütlich machte.

»Wo ist er denn?«, rief der Falkner, der die Show leitete, seiner Kollegin zu.

»Im Baum«, antwortete sie.

Tja - nur in welchem. Wir standen mitten im Wald. Das nette Tierchen saß jedenfalls auch nach Ende der fast einstündigen Flugshow noch immer auf seinem Baum.

 

 

Etwa eine Woche später besuchte ich die Falknerei dann erneut, dieses mal zur Greifvogelwanderung. Ich hatte keine Ahnung, welches Tier ich mitnehmen dürfte und so ließ ich mich überraschen. Unserer zusammengewürfelten Gruppe, die aus vier Mädels bestand, wurden erstmal sämtliche Eulen und Greifvögel der Station namentlich vorgestellt und wie bereits erwähnt, gab es dabei einige Kuriositäten. Im Gedächtnis ist mir insbesondere Klaus-Bärbel geblieben, der zunächst weiblich vermutet, sich später doch als Männchen entpuppte (das kann man wohl erst später durch die DNA feststellen).

 

Wir hörten viele interessante Infos zur Lebensweise dieser wundervollen Tiere, staunten, dass die Männchen oftmals deutlich kleiner waren als die Weibchen, und ließen uns die ganze Zeit über von "Papa" und "Mama" Habicht anmeckern, die uns warnten, ihren Jungen zu nahe zu kommen. Nun ja - die Idee, die Voliere zu betreten, wäre mir ohnehin nicht eingefallen. Aber das konnten sie ja nicht wissen.

     

Letztlich habe ich mich für den Bussard Justus entschieden, mit sehr großer Freude und viel Respekt!

Es fühlte sich unglaublich an, als er mir auf den Arm gesetzt wurde. Obwohl er angeblich nur rund 900 Gramm wiegen sollte, empfand ich ihn anfangs als schwerer, und ich dachte schon: "Wie soll ich ihn bloß 45 Minuten lang tragen?" Aber das gab sich. Es war eher ungewohnt als anstrengend. Und im Großen und Ganzen blieb Justus auch brav sitzen und zappelte nicht.

 

Auf unsere Wanderung durch das wirklich schöne Naturschutzgebiet haben wir außerdem noch einen Schwarzmilan, einen wahren "Kuschel"-Uhu, der seiner Trägerin dicht an den Hals kroch und außerdem mit dem Schnabel ab und zu den Reißverschluss ihrer Jacke aufzog, und Dussi (was in der Tat von Dussel stammt).

 

Dussi machte seinem Namen an diesem Tag wahrhaft alle Ehre. Denn er versuchte ununterbrochen, den Riemen, der ihn auf dem Arm seiner mit der Zeit verzweifelten Trägerin hielt, loszubeißen. Darum musste er zwischendurch kurzerhand auf den Arm der Falknerin wechseln, was ihn wenig störte, wurde er auch noch mit einem Leckerchen belohnt ... äh beruhigt.

 

Den Vorschlag, meinen Arm noch etwas näher an meine Brust zu halten, habe ich dann eher mit Vorsicht genossen. Für mein Empfinden kam mir dabei Justus' spitzer Schnabel dann doch etwas zu nahe!

 

Erst kurz bevor wir wieder "zuhause" in der Falknerei ankamen, wurden unsere vier tierischen Begleiter - naja, eigentlich nur Justus und der auch sehr hübsche Schwarzmilan, dessen Name mir leider nicht mehr einfällt - ein bisschen unruhig und fingen an zu flattern. Dussi tobte ja bereits seit einer halben Stunde ;-)

Natürlich ließen wir, wie wir es zuvor gelernt hatten, die Hände geschlossen, damit die Vögel nicht losflogen. Weit wären sie dank des im Handschuh festgebundenen Riemens sowieso nicht gekommen. Allerdings bin ich nicht sicher, wie das für unsere Köpfe ausgegangen wäre ...

 

Für mich war es definitiv weder der letzte Besuch in der Falknerei Bergisch Land noch mein letztes Greifvogelerlebnis. Ins Auge gefasst habe ich schon mal die Dämmerungswanderungen mit den Eulen, die im Herbst wieder starten. Ich kann es nur empfehlen!

     

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